12.09.2026
Politik auf Augenhöhe: Junge Freie Wähler diskutieren aktuelle Themen des Landkreises

Wanderung zur Feldlahnalm verbindet Gemeinschaft, Politik und direkten Austausch mit Landrat Andreas Danzer und Landtagsabgeordnetem Dr. Martin Brunnhuber

Landkreis Traunstein, 12. September 2026 – Politik muss nicht immer im Sitzungssaal stattfinden. Dass politische Diskussionen auch beim gemeinsamen Wandern, bei einer Brotzeit und mit Blick auf die Chiemgauer Berge funktionieren, zeigten die Jungen Freien Wähler im Landkreis Traunstein am vergangenen Samstag. Gemeinsam mit Landrat Andreas Danzer und dem Landtagsabgeordneten Dr. Martin Brunnhuber, stellvertretendem Fraktionsvorsitzenden der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion und deren bildungspolitischem Sprecher, machte sich die Kreisgruppe auf den Weg zur Feldlahnalm.

Neben den Mitgliedern der Kreisgruppe waren auch weitere interessierte Jugendliche mit dabei. Im Mittelpunkt des Tages stand dabei kein festes Veranstaltungsprogramm, sondern der offene Austausch über Themen, die junge Menschen im Landkreis unmittelbar betreffen: Mobilität, Bildung, Nachtleben, Abfallwirtschaft und der Umgang mit zunehmender sommerlicher Hitze an Schulen.

„Wir wollen Politik für junge Menschen nicht nur organisieren, sondern gemeinsam mit ihnen gestalten. Genau deshalb sind solche Formate so wichtig. Jeder konnte Fragen stellen, seine eigene Meinung einbringen und auch kritisch nachhaken. Der direkte Kontakt zu einem Landrat und einem Landtagsabgeordneten ist eine Möglichkeit, die man nutzen sollte“, erklärt Kreisvorsitzender Justin Infantado.

Mobilität: MVV-Beitritt als wichtige Perspektive für junge Menschen

Ein Schwerpunkt der Gespräche war die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs im Landkreis. Besonders der mögliche Beitritt des Landkreises Traunstein zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) wurde diskutiert.

Der Landkreis prüft derzeit einen Beitritt zum MVV. Eine Entscheidung im Kreistag soll noch im Jahr 2026 fallen. Bei einer positiven Entscheidung wäre ein Beitritt zum 1. Januar 2028 möglich. Zuvor war auch eine Anbindung an den Salzburger Verkehrsverbund diskutiert worden.

Gerade für Jugendliche und junge Erwachsene ist Mobilität ein entscheidender Faktor. Wer noch keinen Führerschein besitzt oder für Ausbildung, Studium, Arbeit und Freizeit auf Bus und Bahn angewiesen ist, profitiert besonders von einem möglichst einfach verständlichen und gut vernetzten öffentlichen Nahverkehr.

„Für uns als junge Generation ist Mobilität keine Nebensache. Ob ich zum Ausbildungsplatz, zur Berufsschule, zum Campus Chiemgau oder abends zu Freunden komme, entscheidet ganz konkret darüber, wie selbstständig ich mich bewegen kann. Ein gut vernetzter ÖPNV ist deshalb gerade für junge Menschen im ländlichen Raum enorm wichtig“, betont der stellvertretende Kreisvorsitzende Michael Lex.

Auch die Alternative eines Verkehrsverbunds mit Salzburg wurde nochmals betrachtet. Für die Jungen Freien Wähler sprechen insbesondere die bestehenden Verkehrsströme in Richtung München und Rosenheim sowie die Möglichkeit einer stärkeren tariflichen und verkehrlichen Vernetzung für eine klare Prüfung des MVV-Modells.

Entscheidend müsse am Ende sein, welche Lösung den Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises langfristig den größten Nutzen bringe.

Bildung: Große Investitionen in die Zukunft

Ein weiterer Schwerpunkt war die Bildungssituation im Landkreis Traunstein. Mit dem Campus Chiemgau hat sich in Traunstein in den vergangenen Jahren ein zusätzlicher Hochschul- und Bildungsstandort entwickelt. Das Bildungsangebot wird kontinuierlich erweitert; im September 2026 startet beispielsweise der Studiengang „Smart Interactive Media“.

Gleichzeitig investiert der Landkreis erheblich in seine bestehenden Schulstandorte. Besonders deutlich wird dies am Neubau der Staatlichen Berufsschule I in Traunstein. Für das Projekt sind rund 150 Millionen Euro vorgesehen. Im Mai 2026 wurde der Grundstein gelegt. Damit entsteht eines der größten Schulbauprojekte in der Geschichte des Landkreises.

„Solche Summen zeigen, dass Bildungspolitik nicht nur aus schönen Worten besteht. 150 Millionen Euro sind eine gewaltige Investition – und gleichzeitig eine Investition in die jungen Menschen, die hier im Landkreis lernen, arbeiten und später vielleicht auch ihre Familien gründen werden. Entscheidend ist für uns deshalb, dass solche Projekte langfristig einen echten Mehrwert für die Region schaffen und finanziell solide umgesetzt werden“, sagt Justin Infantado.

Auch Dr. Martin Brunnhuber brachte seine Erfahrung aus Landes- und Bildungspolitik in die Gespräche ein. Als ehemaliger Schulleiter eines beruflichen Schulzentrums und heutiger bildungspolitischer Sprecher der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion konnte er insbesondere Fragen rund um berufliche Bildung und die Entwicklung von Schulstandorten aus erster Hand einordnen.

Nachtleben und Nachhausekommen gehören zur Jugendpolitik

Jugendpolitik endet allerdings nicht mit Schulschluss. Auch das Thema Nachtleben wurde auf der Feldlahnalm angesprochen.

Gerade in einer ländlich geprägten Region stellt sich für junge Menschen regelmäßig die Frage, wie sie nach Veranstaltungen oder einem Abend mit Freunden sicher nach Hause kommen. Mit dem NachtExpress verfügt der Landkreis bereits über ein entsprechendes Angebot.

Der bedarfsorientierte Verkehr fährt am Wochenende von Freitag auf Samstag sowie von Samstag auf Sonntag jeweils von 22 bis 3 Uhr und bedient rund 200 Haltestellen im Landkreis. Die Buchung erfolgt über eine eigene App. Je nach Entfernung kostet die Fahrt zwischen vier und acht Euro; mit Anerkennung des Deutschlandtickets liegen die Preise zwischen zwei und vier Euro.

„Wir sprechen oft darüber, dass im ländlichen Raum für Jugendliche weniger los ist als in großen Städten. Dabei gehört zur Frage nach einem attraktiven Landkreis auch, ob junge Leute abends sicher und bezahlbar nach Hause kommen. Der NachtExpress ist hier bereits ein gutes Angebot. Jetzt geht es vor allem darum, dass Jugendliche es kennen, nutzen und wir gemeinsam schauen, wie solche Angebote noch besser werden können“, so Michael Lex.

Gerade mit Blick auf die wachsende Zahl junger Menschen, die durch Ausbildung, Studium und den Campus Chiemgau nach Traunstein kommen, werde das Thema Mobilität in den Abendstunden weiter an Bedeutung gewinnen.

Gelbe Tonne: Auch Alltagsthemen gehören auf die politische Agenda

Neben großen Zukunftsthemen kamen auch ganz praktische Fragen zur Sprache. Dazu gehörte die derzeitige Diskussion um die Einführung einer Gelben Tonne beziehungsweise eines entsprechenden Holsystems im Landkreis.

Das Thema betrifft zwar nicht ausschließlich junge Menschen, ist aber ein gutes Beispiel dafür, dass Kommunalpolitik häufig direkt im Alltag der Bürgerinnen und Bürger stattfindet. Gerade für junge Menschen, die erstmals einen eigenen Haushalt führen, spielen einfache, verlässliche und nachvollziehbare Systeme der Abfallentsorgung eine unmittelbare Rolle.

Die politische Diskussion über die zukünftige Wertstoffsammlung im Landkreis läuft derzeit. Eine Entscheidung über die weitere Vorgehensweise ist für Dezember 2026 vorgesehen.

Für die Jungen Freien Wähler ist dabei vor allem wichtig, unterschiedliche Interessen gegeneinander abzuwägen und die langfristigen finanziellen und organisatorischen Auswirkungen im Blick zu behalten.

„Bei solchen Themen merkt man, wie wichtig es ist, nicht nur eine Seite zu betrachten. Natürlich muss ein neues System für die Bürger einfacher und praktikabler werden. Gleichzeitig dürfen wir die Kosten und die langfristigen Auswirkungen auf die Abfallwirtschaft nicht ausblenden. Gerade als junge Generation sollten wir darauf achten, dass Entscheidungen heute nicht zu unnötigen Belastungen für morgen werden“, erklärt Schatzmeister Christoph Siglreitmeier.

Hitzeschutz an Schulen: Mit Augenmaß investieren

Auch die zunehmende sommerliche Hitze in Schulen wurde thematisiert. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie Schulen langfristig besser vor hohen Temperaturen geschützt werden können.

Diskutiert wurden unterschiedliche Ansätze – von architektonischen Lösungen bei Neubauten über Verschattung und geeignete Gebäudeausrichtung bis hin zu technischen Lösungen wie Klimaanlagen.

Gerade bei Neubauten könnten bereits in der Planung Maßnahmen berücksichtigt werden, die eine übermäßige Aufheizung von Klassenräumen verhindern. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass eine flächendeckende Klimatisierung von Schulen erhebliche Investitions-, Betriebs- und Energiekosten verursachen würde.

„Hitzeschutz ist definitiv ein Thema, mit dem sich Schulen beschäftigen müssen. Gleichzeitig sollten wir nicht bei jedem Problem sofort nach der teuersten technischen Lösung rufen. Wenn ein Gebäude ohnehin neu gebaut wird, kann man schon durch gute Architektur viel erreichen. Und wenn es um bestehende Gebäude geht, müssen wir genau hinschauen, wo Investitionen wirklich notwendig und sinnvoll sind“, sagt die Schriftführerin der Kreisgruppe, Alison Infantado.

In der Diskussion wurde zugleich deutlich, dass öffentliche Investitionen priorisiert werden müssen. Besonders vulnerable Menschen – insbesondere ältere und kranke Menschen sowie Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen – seien bei Maßnahmen zum Schutz vor extremer Hitze besonders zu berücksichtigen.

Für die Jungen Freien Wähler bedeutet das nicht, Hitzeschutz an Schulen grundsätzlich abzulehnen. Vielmehr müsse zwischen notwendigem Schutz, baulichen Möglichkeiten und dem verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln abgewogen werden.

Politik, die dort stattfindet, wo Menschen zusammenkommen

Nach den Gesprächen ging es für die Gruppe bei einer gemeinsamen Brotzeit auf der Feldlahnalm noch einmal deutlich weniger formell zu. Die Brotzeit wurde von Landrat Andreas Danzer und Dr. Martin Brunnhuber spendiert und bot Gelegenheit, die Gespräche in entspannter Atmosphäre fortzuführen.

Für die Jungen Freien Wähler steht gerade dieser persönliche Austausch im Mittelpunkt:

„Das Schönste an diesem Tag war eigentlich, dass Politik einmal ganz unkompliziert funktioniert hat. Wir saßen zusammen, haben gegessen, gelacht, diskutiert und gleichzeitig über sehr konkrete politische Themen gesprochen. Genau diese Nähe wünschen wir uns auch künftig. Wenn junge Menschen ein Anliegen haben, sollen sie nicht das Gefühl haben, erst drei Hürden überwinden zu müssen, bevor jemand zuhört.“

Die Jungen Freien Wähler wollen deshalb auch künftig Veranstaltungen anbieten, bei denen junge Menschen unkompliziert mit politischen Entscheidungsträgern ins Gespräch kommen können.

„Wir möchten zeigen, dass politisches Engagement weder trocken noch kompliziert sein muss. Man kann gemeinsam etwas unternehmen und dabei trotzdem ernsthaft über die Zukunft unserer Region sprechen. Wenn am Ende jemand nach Hause geht und sagt: ‚Das war interessant, da möchte ich beim nächsten Mal wieder dabei sein‘, dann haben wir genau das erreicht, was wir wollten“, betont Infantado.

Die Wanderung zur Feldlahnalm war damit nicht nur ein gemeinsamer Ausflug, sondern vor allem ein Beispiel dafür, wie politische Beteiligung funktionieren kann und soll: direkt, ehrlich, offen und auf Augenhöhe.